Konzentriert und voller Erwartungen fanden sich die Gnus am Morgen des 18.07.2010 in der bereits bevölkerten Wechselzone am Schwimmstart ein. Die Stimmung war olympisch, Profis wechselten bereits aufs Rad - ein Fest für jeden Age-Grouper.
Die Zielvorgaben waren klar. AG und WSG hatten ihr Duell auszutragen. MAG und AMINO wollten dem langstreckenerfahrenen BLG das Leben so schwer wie möglich machen, zudem schielte das MAG nach dem teaminternen Titel des "FOOW`s" (first out of water), Amino und BLG hofften insgeheim auf eine Zielzeit unter 10 Stunden.
7:05 Uhr, Startgruppe 10 - Der Zeitpunkt, an dem 6 Monate Vorbereitung und Fokusierung in einer guten Leistung kulminieren sollten, war gekommen. Die unglaubliche Stimmung Tausender Zuschauer an der Wechselzone, auf der Brücke und der "Kanal-Gegengeraden" motivierte sämtliche Starter, sodass es nun endlich losgehen sollte.
Nach dem Start konnten sich die vermeintlich besten Schwimmer MAG und BLG in einer guten Gruppe festsetzen. AMG, WSG und AG fanden etwas weiter hinten ebenfalls zu ihren Tempi. Ohne größere Zwischenfälle verließ das MAG als nach 59:12min als erstes Gnu das kühle Nass, dicht gefolgt vom BLG (1:00:39h). Überraschend stark war AMINO unterwegs (1:04:34h), welcher sich somit bereits in der ersten Disziplin von WSG (1:11:05) und AG (1:12:16h) absetzen konnte.
Es folgte der Rad-cut, welchen das BLG defensiv gestalten sollte und folgerichtig erst bei km 34 das MAG stellte. Auf dem 180er-Kurs trumpfte sodann ankündigungsgemäß das AMG stark auf und überrollte das BLG bereits bei km 37 am Fuße des Kalvarienberg in Greding. Mit einem süffisanten "na, ich würde mal sagen Fang Das Gnu!" konnte er einen mentalen Tiefschlag beim directeur sportif setzen und baute seinen Vorsprung auf diesen auf drei Minuten bei der ersten Querung des Solarer Berges und bis auf acht Minuten zum zweiten Wechel aus, was eine Radzeit von 5:18:14h bedeutete.
Die Bike-Show stahl unserem AMINO jedoch das WSG, welches wie entfesselt über den schnellen, aber dennoch mit 1440 Höhenmeter gespickten Radkurs preschte und sich bis auf zwei !! Minuten dem BLG dank einer unglaublichen 5:20:08h näherte. Der WSG`sche Raddruck ist zwar bekannt, dass dieser jedoch dem des AMG Konkurrenz machen sollte, hatte keiner erwartet.
Nach dem WSG erreichte das MAG mit einer seiner Vorgabe exakt entsprechenden Radzeit von knapp unter 5:40h den zweiten Wechsel und hatte damit auf das BLG lediglich sieben Minuten Rückstand. In Absicherung des Gnufeldes nach hinten blieb auch der Vorsitzende mit 5:42:27h innerhalb seiner angepeilten Radzeit, was für eine kluge Renneinteilung sprach, jedoch aufgrund des WSG`schn Parvorceritts bereits einen Rückstand von über 23 Minuten zur Folge hatte.
Den abschließenden Marathon gingen sowohl das AMG als auch das MAG mit km-Zeiten von teilweise deutlich unter 5min an, während sich das BLG mit Durchgangszeiten von knapp über 5min zufrieden gab. Beim ersten Wendepunkt in Schwand bei km 13 traute das BLG deshalb seinen Augen kaum, war doch das AMG immer noch mit 8-10min Vorsprung an der Spitze unterwegs, während das MAG nun mit nur 5min Rückstand mächtig Druck aufbaute. Spätestens jetzt war dem BLG klar, dass heute nur noch ein durchgelaufener Marathon die Rettung vor der drohenden Gnu-Cup-Qualifikation wird bringen können, was ihm jedoch bis dato in seinen bisherigen 5 Langdistanzen noch nie gelungen war. Etwas weiter hinten im Feld spitzte sich das Duell AG - WSG langsam aber sicher zu, da dass AG Sekunde um Sekunde vom Vorsprung des WSG abknabberte.
KM 21 - die berühmte "Lände" der Rother Marathonstrecke war erreicht. Das BLG wusste nur zu gut, dass das Rennen erst zu diesem Zeitpunkt beginnt und sollte für seine defensive Renngestaltung belohnt werden, mussten doch sowohl AMINO und MAG ersten Tribut ob ihrer schnellen Anfangstempi beim Laufen zollen. So konnte nur das BLG seine Laufgeschwindigkeit halten und baute seinen Vorsprung auf das MAG bis auf 11min aus und verkürzte zum AMINO, welches es sodann bei km 31 überholen konnte.
Auch die Duellanten schenkten sich nichts und kämpften erbittert die Kanalgeraden nieder. Das WSG erwies sich als äußerst zäh und zehrte von seinen langen Laufeinheiten, was zur Folge hatte, dass das AG bei km 30 seinen Rückstand nur bis auf 15 min einschrumpfen konnte.
Auf dem Rückweg in die Rother Innenstadt konnte sich das MAG entgegen aller Erwartungen seiner Konkurreten und Mutmaßungen des kompetenten Betreuers in Person des Kreismeisters wieder erholen und machte dem nunmehr auf Platz zwei kämpfenden AMG die letzten Kilometer zur Hölle. Ab km 37 musste nun auch das in Front liegende BLG einsehen, dass trotz einer verzweifelten Tempoverschärfung zwischen km 32 und 36 die Zehn-Stunden Marke heute nicht zu knacken war und bewegte sich wie das AMG mit Tunnelblick über den Rother Marktplatz.
Bis zum Ziel sollte es jedoch keine weiteren Änderungen in den Platzierungen des Gnus geben. Mit 10:09h entzog sich das BLG ein weiteres Mal erfolgreich dem Gnucup. In 10:21h kam das AMG denkbar knapp vor dem MAG mit 10:26h ins Ziel, womit letzteres wiederholt seine Kritiker Lügen strafte, welche ihm in der Vergangenheit nicht nur einmal mangelnde Konsequenz bei Aufbau und Durchführung des Trainings vorwarfen.
Auch das WSG trabte nach 11:04h glücklich dem Ziel entgegen und konnte einen denkwürdigen Sieg auf der Langstrecke gegen seinen Intimkonkurrenten feiern. Doch erhobenen Hauptes und ebenfalls hochzufrieden erreichte das AG nach 11:15h das Ziel und wusste seine gute Leistung einzuschätzen, war doch gegen ein WSG mit goldenem Radtag kein Kraut gewachsen.
Abends ließen die Gnus nochmals die Rennhöhepunkte Schwimmstart, Solarer Berg und Zieleinlauf Revue passieren und hegten Dank an ihre Familien und sämtliche Unterstützer am Streckenrand, ohne diese ein solch erfolgreiches Abschneiden nicht möglich gewesen wäre.
Erwähnt werden sollte noch, dass das AMG nunmehr gänzlich vom Langstreckenfieber erwischt wurde und sich noch am Abend des Racedays für die Challenge 2011 anmeldete. Auch das KMG kann jetzt wohl nicht mehr länger still halten und hat ebenfalls für 2011 sein Debüt auf der Ironmandistanz beim "best old race" angekündigt.
Der Kampf um den Titel "First Sub-10-Gnu" geht damit in eine neue Runde. Dem Leitgnu ist dies als derzeitigem Rekordhalter (10:02h) sicher nicht verborgen geblieben und wird die Entwicklung unserer jungen Wilden wohlwollend unter Beobachtung halten.





